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Inbrunst über Virtuosität!

Gerhard "Mistre" Streit
Gerhard “Mistre” Streit

Als ich in den frühen Achzigern zum Bass griff, geschah dies aus einem Grund und einem Irrtum heraus: der Grund war, dass sich schon mehrere Gitarristen vor Ort befanden, aber niemand, der Bass spielte. Der Irrtum beruhte auf der Annahme, das sei das Instrument im Hintergrund, mit dem man nicht so auffällt…

Meine Bandbiographie deckt sich weitestgehend mit der vom Kollegen Dittrich, da wären allenfalls noch „Die Rhythmusmetzger“ zu erwähnen, operettenhaftige Kindermusik, weit abseits des Mainstream (wo auch sonst!). Die Rhythmusmetzger waren getragen vom komödiantischen Talent meiner seinerzeitigen Sangesfreunde sowie meiner Lust, mir schräghumorige Kindergeschichten auszudenken und mit Musik zu versehen. Oder die schon vorhandene Musik in komischen Geschichten unterzubringen und dadurch ihre Botschaft zu ändern. „Reframing“ sagen die Psychologen dazu.

Musikalische Erweckungserlebnisse!

Meine älteren Geschwister haben mich, ohne es zu wissen und zu wollen, musikalisch „in die Spur gebracht“: ich kam schon als ca. Achtjähriger mit den damals noch real existierenden Beatles akustisch in Kontakt. „Sgt. Pepper“ ist nach wie vor eins meiner Lieblingsalben, Musik für die Ewigkeit! Die erste selbst gekaufte Beatles-Platte war aber interessanterweise das sperrige „White Album“.

Etwas später habe ich mit Hilfe von Frank Zappa das erste Mal eine richtige „Verzauberung“ erlebt: Musik, genau so, wie sie gehört! Es war das Album „Overnight sensation“, gehört morgens beim Aufwachen auf einem Waldgrundstück am Feuerstein.

Ca. 1984 ging ich zu einem Konzert von „Cassiber“, einer deutsch-englischen Avantgarde-Rockband, ohne diese vorher gehört zu haben: es war unglaublich, wahrscheinlich für die Allermeisten an oder jenseits der Grenze des Erträglichen, für mich eine Offenbarung: Lärm von gewaltiger Schönheit!

1999 hörte ich „Lohengrin“ in Bayreuth, da kriege ich heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Seitdem gehe ich immer häufiger in klassische Konzerte oder Opern und immer seltener in Rockkonzerte. Die immer stärker ertaubenden Ton-“Ingenieure“ mit ihrer Lautstärkeaffinität zwingen einem diesen Weg faktisch auf. Aber es hat auch sein Gutes: vielleicht hätte ich sonst Mozart, Prokofiev, Schostakowitsch, Khachaturian und viele andere verpasst. Somit teile ich die Meinung von Luigi Russolo nicht vollständig: die alten Meister haben sehr wohl großartige Ideen und außergewöhnliche Sounds auf Lager.

Tja!

Selber Klassik spielen ist nicht; bei meinen bescheidenen Ressourcen bleibt es bei der Rockmusik. Wobei nie mein hauptsächliches Interesse war, einen „klassischen“ Rockbass zu spielen. Obwohl ich den Sound meiner Fenderbässe sehr mag.

Viel interessanter für mich ist die Frage, wie sich z. B. der Malstil der Expressionisten in Musik umsetzen lässt.

Erfreulicherweise erlaubt das jetzige Projekt den Transfer aller möglichen Ideen (auch aus der klassischen Musik) in die selbstgenerierten Klangwelten. Nur die instrumentale Unzulänglichkeit steht noch im Weg, aber selbst das lässt sich zum Vorteil nutzen: es zwingt kreative Lösungen geradezu herbei. Die Offenheit meiner jetzigen Mitstreiter und deren Bereitschaft, auch die merkwürdigsten Ideen erst einmal auszuprobieren führt immer wieder zu unerwarteten und überzeugenden Ergebnissen. Ebenfalls hilfreich ist das innerhalb der Bassistenzunft eher ungebräuchliche GT 6B von Boss, mit dem ich die “etwas anderen” Basssounds erzeuge, die das Golden Deutsch Trio klanglich mitgestalten.

JottseiDank habe ich Ringelnatz schätzen gelernt und bin gerade dabei, literarische Expressionisten und Vertreter des Dada für mich zu entdecken.

Bei den Rhythmusmetzgern habe ich herausgefunden, dass ich gern inszeniere. Das Golden Deutsch Trio geht diesen Weg weiter, wir spielen immer mehr „programmatisch“, mit Kulisse und -minimalistischer- Choreographie; eine wunderbare Beschäftigung!